Steuerliche Ansässigkeit

Territoriale Besteuerung: Welche Länder ausländische Einkünfte nicht besteuern (2026)

· 7 Min. Lesezeit

Autor: Nathan Gomes

Die Lichter der Städte auf der nächtlichen Erde, aus dem All gesehen
Wo Einkünfte entstehen und wo ihr Empfänger lebt, bestimmt, welches Land sie besteuern darf.

Das Wichtigste in Kürze

  • In einem territorialen System besteuert ein Land nur Einkünfte, die innerhalb seiner Grenzen erzielt werden; ausländische Einkünfte sind in der Regel steuerfrei.
  • Panama, Paraguay, Costa Rica und Georgien (für Privatpersonen) sind die deutlichsten Beispiele. Hongkong, Singapur und Malaysia wenden territoriale Grundsätze mit wichtigen Ausnahmen an.
  • Die VAE sind nicht territorial: Sie erheben schlicht keine Einkommensteuer für Privatpersonen, und ihre Unternehmen zahlen 9 % auf weltweite Gewinne über AED 375.000.
  • Missbrauchsregeln, der Druck der OECD und die EU-Liste nicht kooperativer Jurisdiktionen haben rein territoriale Systeme eingeschränkt.
  • US-Bürger werden unabhängig vom Wohnort auf ihr Welteinkommen besteuert; ein Umzug in ein territoriales Land beseitigt die lokale Steuer, nicht die US-Steuer.

Was ist ein territoriales Steuersystem?

Ein territoriales Steuersystem besteuert nur Einkünfte, die im Land entstehen. Einkünfte aus dem Ausland, etwa ausländische Gehälter, Dividenden, Zinsen oder Unternehmensgewinne, sind in der Regel steuerfrei, auch für Einwohner. Es ist die Alternative zum Welteinkommensprinzip der meisten Industrieländer und zieht Investoren, Ruheständler, Unternehmer und internationale Unternehmen an.

Dieser Leitfaden erklärt, wie territoriale Besteuerung funktioniert, welche Länder sie 2026 anwenden, wo ihre Grenzen liegen und was sie für Privatpersonen und Unternehmen bedeutet.

Territoriale Besteuerung und Welteinkommensprinzip

Nach dem Welteinkommensprinzip werden Einwohner auf alle Einkünfte besteuert, egal wo sie entstehen, und müssen ausländische Einkünfte ihrer Steuerbehörde melden, auch wenn sie im Ausland bereits besteuert wurden (meist mit Anrechnung der ausländischen Steuer). Der Großteil Europas, Japan und Brasilien wenden dieses Modell an. Die USA gehen noch weiter: Sie besteuern ihre Bürger auf das Welteinkommen, selbst wenn sie im Ausland leben.

Länder führen territoriale Systeme ein, um:

  • internationale Doppelbesteuerung zu vermeiden;
  • inländische Unternehmen zu Auslandsinvestitionen zu ermutigen;
  • ausländische Einwohner und internationale Unternehmen anzuziehen;
  • die Steuerverwaltung zu vereinfachen.

Wie es in der Praxis funktioniert

In einem territorialen Land werden ansässige Privatpersonen dort in der Regel nicht auf ausländische Gehälter, Mieten oder Dividenden besteuert, und Unternehmen nicht auf Gewinne ausländischer Niederlassungen oder Tochtergesellschaften. Ob die Einkünfte ins Land gebracht werden, kann eine Rolle spielen: Manche Länder stellen ausländische Einkünfte nur frei, solange sie im Ausland bleiben, andere auch dann, wenn sie überwiesen werden.

Die meisten territorialen Länder haben zudem Missbrauchsregeln gegen Offshore-Strukturen, die nur der Steuervermeidung dienen, etwa:

  • Hinzurechnungsregeln für beherrschte ausländische Gesellschaften (CFC), oft milder als in Systemen mit Welteinkommensprinzip;
  • die Besteuerung bestimmter passiver Einkünfte wie Zinsen, Lizenzgebühren und Dividenden;
  • eine Steuer, wenn Gewinne ins Land gebracht werden.

Länder mit territorialer Besteuerung 2026

Territoriale Systeme unterscheiden sich im Detail. Die wichtigsten Beispiele:

LandAusländische Einkünfte von PrivatpersonenWichtigste Einschränkung
PanamaSteuerfreiAuf der EU-Liste nicht kooperativer Jurisdiktionen; Substanzregeln in Vorbereitung
ParaguaySteuerfreiWohnsitz erfordert echte Bindungen an das Land
Costa RicaIn der Regel steuerfreiTeil der passiven Einkünfte von Gruppengesellschaften seit 2023 besteuert
GeorgienSteuerfreiUnternehmen zahlen 15 % auf ausgeschüttete Gewinne
Uruguay11 Jahre steuerfrei (neue Einwohner) oder 7 %Schwellen 2026 angehoben
HongkongSteuerfreiFSIE-Regime besteuert bestimmte passive Einkünfte von Gruppengesellschaften
SingapurSteuerfrei (außer über Personengesellschaften)Unternehmen werden auf überwiesene Auslandseinkünfte besteuert, mit Ausnahmen
MalaysiaSteuerfrei bis 2036Unternehmen werden auf vereinnahmte Auslandseinkünfte besteuert
VAEKeine Einkommensteuer für PrivatpersonenUnternehmen zahlen 9 % auf weltweite Gewinne
Tabelle 1: Wie ausgewählte Länder ausländische Einkünfte besteuern (2026).

Panama

Panama ist das klassische Beispiel: Besteuert werden nur Einkünfte aus panamaischen Quellen, während Auslandsinvestitionen, Handel und Holdingtätigkeiten steuerfrei sind. Zwei Einschränkungen: Panama steht im Februar 2026 auf der EU-Liste nicht kooperativer Jurisdiktionen und bereitet Substanzregeln für multinationale Einheiten in Sonderregimen vor.

Hongkong

Hongkong besteuert nur Gewinne aus Hongkonger Quellen. Seit 2023 besteuert das Regime zur Freistellung ausländischer Einkünfte (FSIE) jedoch bestimmte ausländische Dividenden, Zinsen, Veräußerungsgewinne und IP-Einkünfte, die in Hongkong von Gesellschaften multinationaler Gruppen ohne wirtschaftliche Substanz vor Ort vereinnahmt werden. 2024 wurde das Regime auf Gewinne aus allen Arten von Vermögenswerten ausgeweitet.

Hongkong und Victoria Harbour in der Abenddämmerung, vom Peak aus gesehen
Hongkong besteuert nur lokal erzielte Gewinne; das FSIE-Regime ist eine Ausnahme für manche Gruppengesellschaften.

Malaysia

Malaysia war früher rein territorial, besteuert aber seit 2022 ausländische Einkünfte, die im Land vereinnahmt werden. Ansässige Privatpersonen bleiben für vereinnahmte ausländische Einkünfte bis Ende 2036 steuerfrei, außer bei Einkünften über eine malaysische Personengesellschaft.

Singapur

Singapur besteuert Einkünfte aus singapurischen Quellen und im Land vereinnahmte ausländische Einkünfte. Ansässige Privatpersonen sind für ausländische Einkünfte steuerfrei, außer über eine singapurische Personengesellschaft. Unternehmen werden auf nach Singapur überwiesene ausländische Einkünfte besteuert, sofern keine Befreiung greift, etwa für Einkünfte, die im Ausland bereits mit 15 % oder mehr besteuert wurden.

Luftaufnahme der Marina Bay in Singapur
Singapur stellt ansässige Privatpersonen für erhaltene Auslandseinkünfte frei, außer über Personengesellschaften.

Georgien

Georgien ist für Privatpersonen territorial: Einwohner zahlen pauschal 20 % auf Einkünfte aus georgischen Quellen, ausländische Dividenden, Zinsen und Gewinne sind steuerfrei. Unternehmen folgen einem Modell nach estnischem Vorbild und zahlen 15 % erst bei der Gewinnausschüttung. Eine 1-%-Regelung für Kleinunternehmen macht das Land bei Freelancern und digitalen Nomaden beliebt.

Vereinigte Arabische Emirate: keine Einkommensteuer, aber nicht territorial

Die VAE werden oft als territorial bezeichnet, sind aber anders: Privatpersonen zahlen auf keine Einkünfte Steuern, weder lokale noch ausländische. Unternehmen zahlen seit Juni 2023 eine Körperschaftsteuer von 9 % auf weltweite Gewinne über AED 375.000, mit einem Satz von 0 % auf qualifizierte Einkünfte von Freihandelszonen-Gesellschaften. Unser Leitfaden zur Firmengründung in Dubai erklärt die Unternehmensseite.

Paraguay

Paraguay besteuert nur Einkünfte aus paraguayischen Quellen, für Privatpersonen wie für Unternehmen. Ausländische Gehälter, Dividenden, Renten und Gewinne fallen nicht unter die Einkommensteuer für Privatpersonen, deren Sätze zwischen 8 % und 10 % liegen.

Uruguay (teilweise territorial)

Uruguay besteuert Einkünfte aus uruguayischen Quellen und hat eine Sonderregelung für neue Einwohner: Ausländische Dividenden und Zinsen sind im Zuzugsjahr und in den folgenden zehn Jahren steuerfrei (insgesamt elf), oder sie werden dauerhaft mit ermäßigten 7 % statt 12 % besteuert. Das Haushaltsgesetz 2025–2029 hat ab 2026 die Investitionsschwellen für einige Wege angehoben.

Costa Rica

Auch Costa Rica besteuert nur Einkünfte aus inländischen Quellen, ausländische Einkünfte von Privatpersonen sind in der Regel steuerfrei. Seit 2023 wird ein Teil der ausländischen passiven Einkünfte von Gesellschaften multinationaler Gruppen besteuert, sofern sie im Land keine Substanz haben.

Was das für Privatpersonen bedeutet

Wer Einkünfte oder Vermögen im Ausland hat, kann durch einen Umzug in ein territoriales Land die lokale Steuer auf diese Einkünfte deutlich senken. Am meisten profitieren Ruheständler mit ausländischen Renten, Investoren, Berater und Remote-Arbeitende.

Wichtigste Vorteile:

  • geringere Gesamtsteuer auf ausländische Einkünfte;
  • ein Anreiz für internationale Mobilität;
  • einfachere Steuererklärungen im Wohnsitzland.

Vor einem Umzug sollten Sie prüfen:

  • ob Ihr jetziges Land anerkennt, dass Sie sein Steuersystem verlassen haben (viele verlangen formale Schritte und prüfen, wo Wohnung und Familie sind);
  • die tatsächlichen Anforderungen an den Wohnsitz, etwa Aufenthaltstage oder eine Wohnung, um als ansässig zu gelten;
  • Doppelbesteuerungsabkommen und den automatischen Informationsaustausch;
  • Ihre Staatsangehörigkeit, falls sie steuerliche Pflichten mit sich bringt.

Warum US-Bürger anders gestellt sind

Die USA besteuern ihre Bürger und Green-Card-Inhaber unabhängig vom Wohnort auf ihr Welteinkommen. Ein Amerikaner, der nach Panama oder Paraguay zieht, zahlt dort meist keine Steuer auf ausländische Einkünfte, reicht aber weiterhin jedes Jahr eine US-Steuererklärung ein. Der Freibetrag für Auslandseinkünfte aus Arbeit und die Anrechnung ausländischer Steuern können die US-Steuer senken, doch Kapitalerträge bleiben in der Regel in den USA steuerpflichtig, und ausländische Konten sind im FBAR und oberhalb bestimmter Schwellen auf Formular 8938 zu melden. Aus dem US-Steuersystem kommt man nur durch Aufgabe der Staatsbürgerschaft heraus, was eigene steuerliche Folgen hat.

Siehe unseren Leitfaden zu den FBAR-Pflichten für US-Bürger.

Was das für Unternehmen bedeutet

Für Unternehmen geben territoriale Systeme mehr Freiheit, eine Gruppe international zu organisieren und ausländische Gewinne ohne lokale Steuer zu halten, was für Gruppen mit Tätigkeiten in mehreren Ländern nützlich ist.

Vorteile:

  • steuerliche Effizienz bei weltweiter Tätigkeit;
  • Entlastung von Doppelbesteuerung ohne Abhängigkeit von Abkommen;
  • ein Anreiz, im Ausland zu investieren und internationale Holdings zu gründen.

Risiken:

  • Hinzurechnungs- und Missbrauchsregeln in den Ländern, in denen die Gesellschafter leben;
  • Steuern auf zurückgeführte Gewinne in manchen Systemen;
  • die globale Mindeststeuer von 15 % für multinationale Gruppen mit mehr als 750 Millionen Euro Umsatz;
  • der Druck von OECD und EU, rein territoriale Regime einzuschränken.

Kritik und internationaler Druck

Territoriale Systeme werden von internationalen Organisationen, vor allem OECD und Europäischer Union, kritisiert, weil sie:

  • Steuerhinterziehung und Geldwäsche erleichtern;
  • schädlichen Steuerwettbewerb zwischen Ländern fördern;
  • die Steuerbasis von Ländern mit Welteinkommensprinzip aushöhlen;
  • die internationale Zusammenarbeit in Steuerfragen schwächen.

Viele Jurisdiktionen haben darauf mit Missbrauchsregeln oder Substanzanforderungen reagiert. Die EU führt eine Liste nicht kooperativer Jurisdiktionen, die sich unter anderem daran orientiert, wie ausländische Einkünfte besteuert werden.

Fazit

Ein territoriales System kann die Steuer auf ausländische Einkünfte legitim senken, vor allem für Ruheständler, Investoren und Unternehmer, die ihren Wohnsitz tatsächlich verlegen. Die Regeln werden zunehmend an Bedingungen geknüpft, mit Substanzanforderungen, Überweisungsregeln und internationalem Druck. Sie ändern auch nichts an den Pflichten, die eine Staatsbürgerschaft mit sich bringt, etwa für US-Bürger.

Unsere Private Advisory Session vergleicht Wohnsitzoptionen und ihre steuerlichen Folgen für Ihre Situation.

Quellen

Häufige Fragen

Welche Länder besteuern ausländische Einkünfte nicht?

Panama, Paraguay, Costa Rica und Georgien (für Privatpersonen) besteuern ausländische Einkünfte in der Regel nicht. Hongkong, Singapur und Malaysia stellen die meisten ausländischen Einkünfte von Privatpersonen frei, mit Ausnahmen. Die VAE erheben überhaupt keine Einkommensteuer für Privatpersonen.

Sind die VAE ein Land mit territorialer Besteuerung?

Nicht genau. Privatpersonen zahlen auf keine Einkünfte Steuern, aber Unternehmen in den VAE zahlen 9 % Körperschaftsteuer auf weltweite Gewinne über AED 375.000, mit 0 % auf qualifizierte Einkünfte in Freihandelszonen.

Muss ich ausländische Einkünfte in einem territorialen Land erklären?

Das hängt vom Land ab. Manche verlangen, steuerfreie ausländische Einkünfte anzugeben, und Banken melden Konten nach dem Common Reporting Standard unabhängig von der steuerlichen Behandlung.

Kann ein US-Bürger die US-Steuer vermeiden, indem er in ein territoriales Land zieht?

Nein. Die USA besteuern ihre Bürger unabhängig vom Wohnort auf ihr Welteinkommen. Ein Umzug kann die lokale Steuer beseitigen, und Freibeträge oder Anrechnungen können die US-Steuer senken, doch die US-Erklärungspflichten bleiben bestehen.

Ist territoriale Besteuerung legal?

Ja. Sie ist ein legitimes Modell souveräner Staaten. Entscheidend ist, den steuerlichen Wohnsitz tatsächlich zu verlegen, die Anforderungen jedes Landes zu erfüllen und überall dort korrekt zu erklären, wo Pflichten bestehen.

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